WIKIPEDIA: Informationsbörse oder Agitationsinstrument


In einer Personenbeschreibung des „deutschen Politikers“ Albrecht Glaser widmet sich der dortige Text überwiegend der Darstellung der „Kommunalpolitik in Frankfurt“ und angeblichen „Glaser-Fonds“.
Es wird dazu im Abschnitt „Kommunalpolitik in Frankfurt und die „Glaser-Fonds“ im Wikipedia-Text Folgendes ausgeführt:

„In dieser Funktion“ (Anm.: als Stadtkämmerer Frankfurts) „legte er …  80 Millionen Euro ein.“ 


Diese Darstellung beruht im Wesentlichen auf Berichten eines Lokaljournalisten einer regionalen Zeitung, wie sich aus den angegebenen „Quellen“ ergibt. Bemerkenswert ist dabei, dass dessen fünf Berichte, wie auch andere „Quellen“ alle aus dem Jahr 2013 stammen, einem Zeitraum also, der 12 Jahre nach Ablauf der Amtszeit Glasers im Magistrat von Frankfurt liegt. Dieser Zeitraum der Quellen-Berichte  und  die  Tatsache,  dass  Glaser  2002  mit  höchsten  Ehren  im Kaisersaal der Stadt verabschiedet worden war - eine protokollarische Geste, die normalerweise nur Oberbürgermeistern zuteil wird - wirft Fragen auf. Was war in 2013 passiert, das nach so vielen Jahren den Blick auf die Person Glaser und einen ganz bestimmten Vorgang fallen ließ?

Glaser war 2012 nach langjähriger Mitgliedschaft aus der CDU ausgetreten und wurde 2013 einer der Mitbegründer der AfD. Ab Mai 2013 wurde er deren Landessprecher in Hessen. Auch dies wird in der Wikipedia-Darstellung vermeldet.
Der Zusammenhang jedoch zwischen diesem Ereignis und der Aufmerksamkeit für  Glasers  Kämmererzeit  erschließt  sich  nur,  wenn  man  hinzufügt,  dass  der SPD-Fraktionsvorsitzende der Stadtverordnetenversammlung im Juli 2013 die Öffentlichkeit suchte, um eine politische Attacke gegen Glaser  zu reiten. Der Kern seiner Behauptung war, der Stadt sei durch eine seinerzeitige Geldanlage
ein Schaden entstanden und dieser beruhe auf einem Fehlverhalten des seinerzeitigen Stadtkämmerers. Nun ging es zur Jagd, die bis in die zitierte Darstellung bei Wikipedia betrieben wird.

Bei Wikipedia wird nichts zu den markanten Arbeitserfolgen Glasers als Kämmerer vermeldet mit Ausnahme einer Nebenbemerkung, er habe sich „zunächst als „Haushaltssanierer“ einen Namen gemacht“. Dass er
  • nach zahlreichen unausgeglichenen Haushalten, die zu einer Verschuldung der Stadt  als  Spitzenreiter  aller  deutschen  Großstädte  geführt  hatten,  die  ersten ausgeglichenen Milliardenhaushalte in Frankfurt aufgestellt und bewirtschaftet hatte,
  • dass er parallel dazu in seiner Amtszeit die Schulden der Stadt um ca. 1,5 Mrd. DM reduziert hatte,
  • dass er ebenfalls parallel dazu die städtischen Steuern massiv gesenkt und den ersten „Produkthaushalt“ einer deutschen Großstadt als Konzept entwickelt und für 2002 aufgestellt hatte,
wird nicht einmal andeutungsweise erwähnt. Dies alles waren die Gründe für die Reputation von Glaser, die ihn in der Tat „bekannt gemacht“ hatten. Man kann auch durch Unterdrückung von Tatsachen die Unwahrheit sagen.   
Stattdessen wird der Versuch unternommen, ein Einzelereignis einer sechsjährigen  Amtszeit  darzustellen  und  zu  skandalisieren,  um  ein  verzerrtes  Bild  zu erzeugen.  So  wird  behauptet,  Glaser  „legte  im  Jahr  2000  am  Magistrat  und Stadtparlament vorbei 100 Millionen DM in einem Fonds an.“ Diese Aussage wird dann relativiert mit dem Hinweis, dass „die Hessische Gemeindeordnung für die Fälle einer kommunalen Geldanlage keine Zustimmung der beiden Gremien vorsehe“ - was zutrifft - und somit die zuvor getroffene Aussage komplett unsinnig macht. Warum wird sie dennoch formuliert?
 
Danach wird behauptet, „Glaser legte für die städtische Zusatzversorgung der Bediensteten weitere 100 Millionen DM …an“. Auch hierfür wird auf eine Darstellung des oben erwähnten Lokaljournalisten, Herr Thomas Remlein, Bezug genommen. Diese Information ist jedoch schon dem Grunde nach falsch. Denn die „Zusatzversorgungskasse der Bediensteten“ ist eine eigene Rechtspersönlichkeit mit selbständiger Verwaltung und Geschäftsführung, auf deren Handeln der Frankfurter Stadtkämmerer keinen maßgeblichen Einfluss hat.  Auch informell oder sonst wie hat es zu keiner Zeit einen Einfluss auf die Entscheidung der Zusatzversorgungskasse von Seiten der Person Glaser gegeben.  
Entnehmen kann man allerdings diesem Vorgang, dass auch andere Entscheider über  öffentliche  Kassen  der  damaligen  Ertragsschwäche  von  Festgeldanlagen durch solche Maßnahmen haben entgegenwirken wollen. Und feststellen kann man an dieser Stelle, dass der als Quelle herangezogene Journalist nicht zitierfähig ist. Ob er die Fakten nicht überblickte oder bewusst verfälschte, kann dabei
offen bleiben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass bis heute öffentlich nicht bekannt geworden ist, wie sich bei der Zusatzversorgungskasse die gesamte Entwicklung der Fondsanlage seit 2000 vollzogen hat. Vielleicht hätte man sich bei der Stadt daran orientieren können?
Im weiteren Verlauf der Wikipedia-Darstellung wird der Begriff „Glaser-Fonds“ im Zusammenhang mit dem geschilderten Vorgang verwendet und von „Spekulationsanlageformen“ gesprochen. Dabei handelt es sich um Wortschöpfungen von Journalisten, deren dokumentarischer Wert gleich Null ist. 
Die  Darstellung  gipfelt  in  der  Behauptung  von  finanziellen  Verlusten,  die  der Stadt FFM entstanden seien. Diese wird mit einer abenteuerlichen Sachdarstellung unterlegt. So wird formuliert:
 

„2012 wurde die Summe, die Glaser insgesamt in Spekulationsanlageformen gesteckt hatte, mit 279 Millionen Euro beziffert. Unter CDU-Kämmerer Uwe Becker konnte ein größerer Anteil der Papiere nach und nach mit einem Gewinn von 24,8 Millionen  Euro  verkauft  werden.  Der  Verkauf  der  zuerst  erworbenen  „Glaser-Fonds“ mit Verlust wurde dann im Herbst 2013 beschlossen. Der Bund der Steu-erzahler gab den Verlust des ersten Fonds mit 9 Millionen an. Letztendlich brachte der Verkauf des ersten Fonds der Stadt 43,2 Millionen Euro (84,5 Mio. DM) ein. Der zweite Fonds für die städtische Zusatzversorgung der Bediensteten wurde offensichtlich noch nicht abgestoßen.“


Als  sachverständiger  „Schätzer“  wird  schließlich  der  lokale  Linken-Politiker Lothar Reininger zitiert. Auch dieser ganz sicher eine seriöse Quelle für ein seriöses dokumentarisches Werk à la Wikipedia.  
Die zitierte Sachdarstellung ist objektiv falsch und voller Widersprüche. Alleine die logischen Brüche innerhalb der Zahlenspiele beweisen, dass hier Autoren am Werk waren, welche die Zusammenhänge nicht annähernd verstanden haben, sofern ihnen daran überhaupt gelegen war.
 

  • Wie bereits dargestellt, hatte der Geschäftsbereich des Stadtkämmerers lediglich mit einem der Fonds zu tun. Die Geschäfte der Zusatzversorgungskasse werden in einer eigenständigen juristischen Organisation mit eigenen Entscheidungsorganen  und  eigener  Geschäftsführung  besorgt,  in  welcher der Stadtkämmerer keinen maßgeblichen Einfluss hat und faktisch auch keinen Einfluss genommen hat.

  • Bei dem städtischen Fonds handelte es sich um die seriöseste Anlageform, die  man  sich  bei  Aktien  vorstellen  kann,  nämlich  sog.  „Blue  Chips“,  also Papiere von klassischen Großunternehmen, die typischerweise auch von Lebensversicherern und staatlichen Anlagefonds erworben werden. Der Begriff „Zockerpapiere“, der in Fußnote 21 von einem unbekannten Internetakteur verwendet wird, ist pure Polemik. Wenn derlei Meinungsäußerungen „Quellen“ für Wikipedia-Informationen sind, erklärt dies vieles.

  • „279  Mio.  Euro“  soll  Glaser  insgesamt  „in  Spekulationsanlageformen  gesteckt haben“, ist im Text zu lesen. Da vier Sätze zuvor von 100 Mio. DM (~ 50  Mio.  Euro)  die  Rede  ist,  die  als  Anfangskapital  des  städtischen  Fonds angelegt worden sind, ist diese Zahl unerklärbar. Dies gilt auch dann, wenn man  Glaser  noch  die  Anlage  der  Zusatzversorgungskasse,  wenngleich  zu Unrecht,  zuordnet.  Wenn  von  den  tatsächlichen  „Glaser-Anlagen“  von  50 Mio. Euro (100 Mio. DM) „ein größerer Anteil mit einem Gewinn von 24,8 Mio. Euro verkauft werden konnte“, dann wäre dies ein Vermögensertrag von ca. 50 % über den Anlagezeitraum. Dem wären dann noch alle Dividendenerträge hinzuzurechnen, die über die Laufzeit geflossen sind. Wie dabei „2012 wurde die Summe, die Glaser insgesamt in Spekulationsanlageformen gesteckt hatte, mit 279 Millionen Euro beziffert. Unter CDU-Kämmerer Uwe Becker konnte ein größerer Anteil der Papiere nach und nach mit einem Gewinn von 24,8 Millionen  Euro  verkauft  werden.  Der  Verkauf  der  zuerst  erworbenen  „Glaser-Fonds“ mit Verlust wurde dann im Herbst 2013 beschlossen. Der Bund der Steuerzahler gab den Verlust des ersten Fonds mit 9 Millionen an. Letztendlich brachte der Verkauf des ersten Fonds der Stadt 43,2 Millionen Euro (84,5 Mio. DM) ein. Der zweite Fonds für die städtische Zusatzversorgung der Bediensteten wurde offensichtlich noch nicht abgestoßen.“ ein Vermögensschaden für die Stadt entstanden sein soll, ist selbst bei vorsichtiger Überschlagsrechnung nicht erklärbar. Diese Beurteilung ist umso sicherer, weil „der zweite Fonds“, wie es am Ende des zitierten Textes heißt, „offensichtlich noch nicht abgestoßen ist“. Daher kann sich die Information zum Veräußerungsgewinn, wie hier unterstellt, nur auf die ca. 50 Mio. Euro Ausgangsinvestition der Stadt beziehen.

Die gesamte Finanzbetrachtung ist auch deshalb unsinnig, weil sie zwei willkürlich gewählte Börsenstichtage miteinander vergleicht. Ob ein Ereignis wie eine Weltfinanzkrise bzw. deren Folgen einer handelnden Person zugerechnet werden können, die 8 Jahre zuvor einen Fonds aufgelegt hatte mit Aktienbeständen, wie sie von jeder Lebensversicherung als sichere Geldanlage benutzt werden und
die selbst, wenn auch nicht einmal persönlich, nur wenige Monate mit der Pflege dieser Bestände zu tun hatte, darf bezweifelt werden. Es waren über 7 Jahre die nachfolgenden Amtsinhaber nicht daran gehindert, diesen (städtischen) Fonds ab 2002 aufzulösen, wenn er ihnen als prinzipiell zu riskant erschienen ist. Wenn das nicht so war, ist die Verantwortung für den weiteren Fortgang auf sie übergegangen.  

Es gibt auch eine noch einfachere Begründung dafür, warum diese ganze Moritat ausschließlich ein politisches Diffamierungsstück ist. Wir stellen uns einfach vor, die nachfolgenden Entscheidungsträger hätten gar nichts gemacht. Sie hätten den Fonds unangetastet gelassen und mit der gebotenen Gelassenheit auf die Finanzkrise reagiert, wie das alle Fachleute gemacht haben. Dann musste man nur abwarten, bis diese Baisse wieder in eine Erholungsphase übergegangen ist. Was bekanntlich seit Jahren geschehen ist. Und - was Wunder:

Vor wenigen Monaten hatte der DAX seinen Allzeit-Höchststand mit ca. 12.800 Punkten erreicht. Dies wäre ein guter Anlass gewesen, einen solchen Fonds aufzulösen, sofern man nicht weiter ein gewisses spekulatives, jedoch verantwortbares, Risiko eingehen wollte. Dann hätte man ca. 17 Jahre lang von allen Papieren die Dividende erhalten und zudem einen Kursgewinn gegenüber dem Zeitpunkt der Erstanlage erzielt. Man darf ziemlich sicher sein, dass dies ertragreicher gewesen wäre als die seit Jahren nicht mehr existierenden Zinsen aus Festgeldanlagen. Wo also sollte ein Schaden für die Stadt entstanden sein? Die einzig sachgerechte Frage ist daher, wie groß der finanzielle Nutzen für die Stadt in Wahrheit gewesen wäre, wenn man nur ein wenig cool geblieben wäre.

Da Verbesserungsversuche im System Wikipedia konterkariert worden sind, darf man annehmen, dass die Personen, welche die Moritat zusammengebastelt haben, an ihrem Bestand weiter sehr interessiert sind. Das ist politisch verständlich. Es liefert allerdings den beredten Beweis dafür, was hier in Wahrheit gespielt wird.


Niedenstein, den 16.08.2017
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